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„Die Eltern kommen ja nicht.“

„Die Eltern kommen ja nicht.“

Überraschend häufig höre ich den Satz in letzter Zeit. Von Elternvertretern, Lehrkräften, Schulleitungen und von anderen an Schule beteiligten Personen. Resignation schwingt in dem Satz mit.
Ich frage mich warum? Schließlich ist es politisch gewollt, dass Eltern nicht mehr viel Zeit haben. Und wozu sollten sie ihre Zeit in der Schule verbringen?

Eltern sind nicht nur für schulische Belange ihrer Kinder und Jugendlichen verantwortlich. Sie müssen dafür sorgen, dass die Familie ein Dach über dem Kopf hat, Lebensmittel in ausreichender Menge vorhanden sind und die Familie passende Bekleidung besitzt. Das ist teuer. Jeder weiß, dass günstiger Wohnraum knapp ist, Gas, Strom und Lebensmittelkosten steigen.
Das sorgt dafür, dass in vielen Familien beide Elternteile arbeiten müssen, auch abends.
Außerdem müssen beide Elternteile für ihre eigene Rente sorgen, sonst ist Altersarmut vorprogrammiert.
So ergibt sich, dass die Berufstätigkeit der Eltern politischer Wille ist.
Häufig reicht es nicht aus, wenn Eltern ihre Löhne zusammenlegen. Dann wird eben noch in einem Minijob gearbeitet.
Und nach der Arbeit heißt es: Kinder, Angehörige, Haushalt. Alles was eben so nach der Arbeit anfällt.
Wie kann erwartet werden, dass Eltern zu in Veranstaltungen in die Schule kommen? Sie sind meist froh, wenn sie ihre Angelegenheiten geregelt bekommen. Muss da noch jemand den Eltern erzählen, wie Kinder und Jugendliche am besten lernen? Oder welche Auswirkungen soziale Medien auf Kinder und Jugendliche haben können? Oder wie man mit Jugendlichen in der Pubertät umgehen soll?

Natürlich, es gibt auch Eltern, die Sozialleistungen beziehen und Zeit hätten Veranstaltungen zu besuchen. Sozialleistungen bedeutet aber auch nicht automatisch gelangweilt zu Hause zu sitzen und nichts zu tun. Und wenn doch Eltern ihr Leben nicht im Griff haben, wie sollen sie das Leben ihrer Kinder in den Griff bekommen? Manche Eltern brauchen selbst Unterstützung. Es hilft ihnen wenig, wenn in der Schule Vorträge gehalten werden, die sie nicht umsetzen können.

Und es gibt Eltern mit mehreren Kindern. Warum sollten diese Eltern in die Schule kommen und sich Vorträge anhören, die sie schon kennen? Oder wie sollen sie ihre Kinder betreuen? Das Lebensmodell in denen die Großeltern auf die Kinder aufpassen, wenn die Eltern unterwegs sind, gibt es in dieser Form kaum noch.

Wie stellt die Schule sicher, dass ihre Veranstaltungen wichtiger sind als alle anderen? Als der Fußballverein, das Fitnesstraining, das Treffen mit Freunden?

Es ist leicht von 500 Schülern nur eine Hand voll Eltern zum Besuch von Veranstaltungen zu motivieren. Es ist schwer von der Wichtigkeit der Veranstaltungen zu überzeugen.

Eine schlichte, schriftliche Einladung reicht hier nicht aus. Kreative Einladungen, ausgefallene Themen, bekannte Referenten, Kinderbetreuung und natürlich Werbung machen vieles möglich.
Selbstverständlich können Veranstaltungen jahrgangsübergreifend oder schulübergreifend organisiert werden.

In dem Bemühen Eltern in die Schule zu holen, Infoveranstaltungen zu organisieren oder den Kontakt zu halten darf niemand nachlassen. Es ist wichtig, dass Eltern gemeinsam mit den Lehrkräften, Elternbeiräten, Sozialpädagogen oder auch Schulpsychologen für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen handeln.

Themen wie Grenzen setzen, Medienerziehung, Leseförderung oder Lernen lernen suggerieren stark den erhobenen Zeigefinger.

Vielleicht geht es zum Einstieg ja eher mit Eltern-Kind- Joga, Schulhausführungen mit anschließender Gesprächsmöglichkeit für Eltern und Lehrkräfte, Theateraufführungen der Schüler und anderen eher kreativen Veranstaltungen. Wenn der intensivere Kontakt zu Eltern erst mal hergestellt ist, können auch mal Themen wie Leseförderung oder gewaltfreie Erziehung auf die Tagesordnung gestellt werden.

Heike Hein

Geschäftsstelle NEV

 

 

 

 

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